Bauingenieurwesen Studium

Das Bauingenieurwesen zählt zu den drei klassischen Ingenieurwissenschaften und ist eine der ältesten Berufssparten überhaupt. Wie schon vor tausenden von Jahren bedarf es der Kenntnisse und Fähigkeiten von Spezialisten, damit Bauwerke richtig geplant, technisch umgesetzt und instandgehalten werden. Naturwissenschaften und Technik greifen im Studium des Bauingenieurwesens ineinander. Du fühlst dich von diesem Mix angesprochen? Dann informiere dich hier ausführlich über den Studiengang.

Was machen Bauingenieure?

Einfach zusammengefasst kann man sagen: Ein Bauingenieur ist ein Ingenieur, der sich mit allen möglichen Arten von Bauwerken beschäftigt. Planung, Technik, Statik und Funktionalität stehen dabei im Mittelpunkt. Die Aufgabengebiete sind weit gestreut: Ob bei der Planung von Hochhäusern, der Konzeption von Wasserversorgungsanlagen oder der Konstruktion von Windenergieanlagen – Bauingenieure kommen vielseitig zum Einsatz und gestalten unsere Umwelt. Sie sind ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, die globalen Probleme unserer Zeit zu lösen, zum Beispiel bei

  • dem Klimaschutz und der Minimierung von CO2-Emmission u. a. durch die energetische Sanierung von Wohn- und Bürogebäuden sowie im Anlagenbau
  • der Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser
  • der Ableitung und Reinigung von Abwasser sowie dem Schutz von Flüssen und Meeren
  • dem sicheren Umgang mit Abfällen, Altlasten und deren Verwertung oder Entsorgung 
  • der sicheren und CO2-armen Energieerzeugung und Energieverteilung, insbesondere von alternativer Energie aus Offshore-Windparks, Geothermie, Solar- oder Biomassekraftwerken
  • dem Schutz vor Naturgewalten durch Deiche und Dämme oder naturnahen Gewässerausbau
  • der Gestaltung der Folgen des demografischen Wandels unserer Gesellschaft z.B. im Stadtumbau und -rückbau.

Wenn du dich für diese umweltbezogenen Thematiken interessierst, dann lohnt sich für dich übrigens auch ein vergleichender Blick auf das Studium des Umweltingenieurwesens, welches wir ebenfalls in unserem Studienführer vorstellen.

Wie werde ich Bauingenieur?

Ganz einfach: Mit einem akademischen Studium, z.B. einem Bachelor und ggf. mit einem weiterführenden Master in Bauingenieurwesen, Nachhaltigem Bauen, Bautenschutz oder Bau-Projektmanagement.

Das Angebot an Bauingenieurwesen-Studiengängen ist riesig. Es gibt fast 100 bauingenieurwissenschaftliche Bachelor- sowie ähnlich viele Master-Optionen. Die meisten davon werden in Vollzeit angeboten, doch es existieren auch duale Studienangebote sowie einige berufsbegleitende Möglichkeiten.

Das Studium des Bauingenieurwesens wird überwiegend an Universitäten, Technischen Unis und Fachhochschulen angeboten. Für welche Hochschule du dich entscheidest, hängt mit der Frage zusammen, welches Berufsziel du vor Augen hast. Auf einen FH-Abschluss folgen in der Regel eher praxisnahe Tätigkeiten wie Bauleiter oder Statiker. Das Studium an einer Universität hingegen ist theoretischer und mehr auf Forschung und Wissenschaft ausgerichtet. Es qualifiziert für kompliziertere Planungs- und Bauaufgaben, zum Beispiel im höheren öffentlichen Dienst. Wie du siehst: Der Studiengang Bauingenieurwesen eröffnet dir vielfältigste Jobmöglichkeiten. In unserer Datenbank findest du alle entsprechenden Studiengänge übersichtlich aufgelistet.

Wusstest du, dass...

...eines der derzeit teuersten Bauprojekte rund 87 Millionen Euro kostet? Damit soll bis 2035 die Entstehung künstlicher Inseln im Kaspischen Meer finanziert werden.

...sich die Bezeichnung "Ingenieur" von dem lateinischen Wort "ingenium" ableitet, das übersetzt wird mit "natürlicher Verstand" oder "Begabung"?

...der Ingenieur auf Platz 7 der auf der Online-Dating-Plattform Tinder am häufigsten nach rechts gewischten Berufe steht? Nach rechts gewischt werden Profile, die dem Nutzer gefallen.

Alle Studiengänge und Infos zum Bauingenieurwesen Studium

Voraussetzungen und NC

Um ein Studium des Bauingenieurwesens zu beginnen, musst du gewisse Voraussetzungen erfüllen. Dies sind zum einen Einschränkungen seitens der Hochschulen, zum anderen persönliche Fähigkeiten und Interessen, die angehende Bauingenieure auf jeden Fall mitbringen sollten. Was es braucht, um dich für einen Studiengang zu qualifizieren, erfährst du hier.

Bachelor

  • Abitur oder Fachhochschulreife (alternativ: Berufsausbildung mit Berufserfahrung, Meister oder ähnliche Qualifikation)
  • evtl. ein Vorpraktikum von 8 Wochen oder ähnlich
  • ggf. gute Abschlussnote, wenn ein NC angewandt wird

Master

  • Bachelorabschluss im Bauingenieurwesen oder in einem vergleichbaren Fach mit mind. 180 ECTS
  • Nachweis der fachlichen Eignung

    • Eine gute Bachelornote kann hilfreich sein, da diese oft mit Punkten bewertet wird: Je besser die Note, desto mehr Punkte.
    • Teilweise werden Englischkenntnisse auf einem bestimmten Niveau verlangt.

Persönliche Voraussetzungen

Zu den persönlichen Voraussetzungen zählen vor allem:

  • großes Interesse an Naturwissenschaften
  • technisches Verständnis
  • räumliches Vorstellungsvermögen
  • analytisches Denken
  • soziale Kompetenz
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Organisationstalent

Numerus Clausus (NC) für Bauingenieurwesen

Viele Unis und FHs haben einen lokalen Numerus Clausus (NC), also eine örtliche Zulassungsbeschränkung, für den Studiengang Bauingenieurwesen. Der NC ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich, darum sollte man sich unbedingt vorab auf der Website der entsprechenden Hochschule über die Zulassungsmodalitäten informieren. An einigen Hochschulen gibt es für Bauingenieurwesen aber auch keine Zulassungsbeschränkung. Das kann sich jedoch von Semester zu Semester ändern, daher solltest du dich am besten immer über den aktuellsten Stand informieren.

Aktuelle NC-Werte Bauingenieurwesen Studium

Hochschule

Studiengang

NC

Stand

Universität Bochum

Master Bauingenieurwesen

alle Bewerber zugelassen

WS 2016/17

Universität Siegen

Bachelor Bauingenieurwesen

keine Zulassungsbeschränkung

WS 2017/18

Universität Siegen

Bachelor Bauingenieurwesen dual

keine Zulassungsbeschränkung

WS 2017/18

Universität Stuttgart

Bachelor Bauingenieurwesen

keine Zulassungsbeschränkung

WS 2017/18

Studieninhalte

Auch wenn das Bauingenieurwesen eine praktische Materie ist und man schon mal in Gummistiefeln durch den Baustellenmatsch wandert, baut alles auf Theorie auf. Einerseits gilt das Studium als das am wenigsten akademische von allen Ingenieurberufen, auf der anderen Seite sind aber in den ersten vier Semestern des Bachelors die Fächer Mathematik und Informatik allgegenwärtig. Diese Phase gilt als die härteste des Studiums.

Neben den Ingenieurgrundlagen aus Mathematik, Physik, Mechanik und Informatik spielen sogar Aspekte aus den Bereichen Recht und Betriebswirtschaftslehre eine Rolle. Auch praxisnahe Vorlesungen wie Baustoffkunde und Konstruktionslehre stehen auf dem Studienplan. Hinzu kommen Grundlagen aus allen Gebieten des Bauingenieurwesens wie der technische Ingenieurbau, die Technische Mechanik, Werkstoffkunde inklusive Bauphysik und -chemie, Baukonstruktion, Bauinformatik, Vermessungskunde, Umwelt und Ökologie und natürlich die allgegenwärtige Statik.

Das Bauingenieurwesen Studium beinhaltet die wissenschaftliche Ausbildung in Baustoffkunde, Bauinformatik sowie in Statik und Baukonstruktion. Du erlernst Methoden, mit denen du Ingenieurbauten des Hoch- und Tiefbaus planen, berechnen und ausführen kannst. Als Student bzw. Studentin besuchst du Vorlesungen, Seminare und praktische Übungen.

Pflichtmodule sind beispielsweise

  • Mathematik
  • Baustoffkunde und Bauchemie
  • Statistik
  • Bauentwurf und Baukonstruktion
  • Bauinformatik und CAD
  • Ingenieurbaustoffe und Straßenbaustoffe
  • Festigkeitslehre
  • Statik
  • Holzbau
  • Hydromechanik
  • Baubetrieb und Arbeitssicherheit
  • Stahlbau
  • Stahlbetonbau (oder Massivbau)
  • Geotechnik
  • Straßenplanung und städtisches Verkehrswesen
  • Bauinformatik und Kommunikation
  • Baubetrieb und Brückenbau
  • Siedlungswasserwirtschaft
  • Straßenbautechnik und Eisenbahnbau
  • Wasserwesen 

Mögliche Wahlpflichtmodule sind

  • Baurecht und Bauwirtschaft
  • Bauphysik
  • Umwelttechnik

Darüber hinaus arbeiten Studenten auch in diesem Studiengang an Projekten mit und nehmen an Exkursionen (z.B. Betriebsbesichtigungen) teil.

Praktika, die nicht in den Studiengang integriert sind, leistet man in der vorlesungsfreien Zeit oder vor Studienbeginn ab. Ein praktisches Studiensemester ist auch hier fester Bestandteil des Studiengangs. Es wird meist im 5. oder 6. Semester absolviert. Je nach Hochschule kann das Praxissemester auch im Ausland abgeleistet werden. Angaben zum Inhalt und zum Ablauf sind in den entsprechenden Praktikumsordnungen zu finden.

Zum Abschluss des Erststudiums musst du eine Bachelor Thesis (Bachelorarbeit) verfassen. Je nach Prüfungsordnung ist auch ein Kolloquium zu belegen. Auch im weiterführenden Bauingenieur Masterstudium, das man natürlich als Ergänzung zum Bachelor belegen kann, ist zum Abschluss eine Thesis zu erstellen.

Im Masterstudium können sich die Studierenden oft in einer der Vertiefungsrichtungen spezialisieren. Spätestens hier wird deutlich, dass das Berufsbild des Bauingenieurs nicht nur die Planung und Errichtung von Bauwerken umfasst, sondern auch darüber hinaus sehr vielseitig ist.

Beispiele für Spezialisierungen im Master

Konstruktiver Ingenieurbau

Bei dem klassischen Tätigkeitsfeld der Bauingenieure geht es vor allem um Hochbauten wie Wohn- und Gewerbegebäude, Brücken und Türme aus Beton, Stahl und Holz.

Wasserbau, Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft

Dieser Schwerpunkt wird je nach Hochschule auch als Umwelttechnik bezeichnet. Inhalte umfassen vor allem Bauwerke wie Staudämme, Deiche oder Kaianlagen, die Gewinnung und Verteilung von Trinkwasser sowie die Abwasser- und Abfallwirtschaft.

Baubetrieb

Das Fachgebiet befasst sich weniger mit rein technischen oder naturwissenschaftlichen Methoden, sondern mit dem Management von Bauprojekten, der Bauverfahrenstechnik, betriebswirtschaftlichen Aspekten der Bau- und Unternehmensleitung und dem Facility Management.

Verkehr und Raumplanung

Neben der Stadt-, Raum-, und Regionalplanung geht es hier um alles, was mit Mobilität zu tun hat. Von der Verkehrsplanung und -lenkung über den Straßenbau bis hin zum Bau und Betrieb von Eisenbahnanlagen und Flughäfen.

Geotechnik

Dieses Fachgebiet wird auch Grundbau oder Bodenmechanik genannt. Der Bauingenieur befasst sich hier mit Bauwerken an oder unter der Erdoberfläche. Dazu gehören beispielweise Fundamente und Gründungen, Tunnel, Kanäle, Dämme und das Bauen im Fels.

Dauer und Verlauf

Bachelor

  • Abschluss: Bachelor of Engineering (B.Eng.) oder Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Dauer: 6 Semester (seltener 7 Semester)
  • Studienform: überwiegend Vollzeit, einzelne Angebote sind dual oder berufsbegleitend
  • Besonderheiten: große Auswahl deutschlandweit, teilweise Start nur zum Wintersemester

Master

  • Abschluss: Master of Engineering (M.Eng.) oder Master of Science (M.Sc.)
  • Dauer: 3 - 4 Semester
  • Studienform: überwiegend Vollzeit, einzelne Angebote sind berufsbegleitend
  • Besonderheiten: große Auswahl deutschlandweit, es stehen unterschiedlichste Spezialisierungen zur Auswahl, Start teilweise nur zum Wintersemester

Karriere und Gehalt

Bauingenieure entwerfen, planen, konstruieren, begutachten und überwachen Bauwerke aller Art. Sie beraten, koordinieren den Baubetrieb und sind in der Bauaufsicht tätig. Den Schutz vor Gefahren oder unerwünschten Zuständen sowie den Umweltschutz haben sie dabei stets im Blick. Das Zusammenspiel mit Architekten, Ingenieuren anderer Fachrichtungen und sonstigen Baubeteiligten ist ein wesentliches Merkmal für die Arbeitsweise der Bauingenieure.

Arbeitgeber

Viele sind selbstständig in Ingenieur- oder Planungsbüros. Hauptsächlich arbeiten Absolventen des Bauingenieurwesen Studiums aber in Hoch- und Tiefbauunternehmen. Weitere potentielle Arbeitgeber sind Firmen für Fertigteile und Baustoffe, der öffentliche Dienst oder Versicherungen. Beschäftigungsmöglichkeiten bieten außerdem Unternehmen der Verkehrsbranche und Bausoftwareunternehmen.

Tätigkeiten

Die Arbeit selbst dreht sich um Bauwerke aller Art, z. B. Straßen und Brücken, Schienenverkehrswege, Häfen und Flugplätze, Hoch- und Industriebauten, Ver- und Entsorgungsanlagen, Tunnelbauten oder Schifffahrtskanäle. Die Grundlage bilden Baupläne, Aufmaße, Massenermittlungsberechnungen, Gutachten für das Bauvorhaben, einschlägige Bauvorschriften oder Normenwerke. Aber auch elektrooptische Vermessungsgeräte und moderne Baumaschinen gehören zum Arbeitsalltag von Bauingenieuren. Ein zentrales Arbeitsmittel für die Konstruktion, Kalkulation und Berechnung ist die EDV.

Weitere Infos

Beruf Bauingenieur

Wenn du noch genauere Informationen zu den verschiedenen Branchen und Arbeitsbereichen haben möchtest, dann lies mehr in unserem ausführlichen Artikel zum Berufsbild:

Bauingenieur – Berufsbild und Jobchancen

Video: Einblicke in den Beruf

Gehalt von Bauingenieuren

Als Bauingenieur musst du dir finanziell wenig Sorgen machen. Zum einen gilt der Arbeitsmarkt als aussichtsreich, zum anderen verdienen Bauingenieure sehr gut. Nach dem Studium kannst du mit einem Gehalt von 30.000 – 45.000 Euro rechnen, was dann aber im Laufe der Berufsjahre ziemlich schnell ansteigt. Ein Jahresgehalt von 60.000 Euro ist nicht unrealistisch.

Weiterlesen: Bauingenieur Gehalt

Der große Überblick über Gehälter von Bauingenieuren: Zahlen, Daten und Fakten.

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Alle Fachbereiche auf einen Blick findest Du unter: www.das-richtige-studieren.de

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