Kosten für ein Ingenieurstudium und Möglichkeiten der Studienfinanzierung

Ein Studium hat seinen Preis. Da sind die Lebenshaltungskosten für Miete, Lebensmittel und Freizeit sowie die Kosten, die unmittelbar mit dem Studium entstehen: Der Semesterbeitrag, Ausgaben für Lernmaterial sowie ggf. noch monatliche Studiengebühren.

Was kostet ein Studium?

Laut der 21. Sozialerhebung des Studierendenwerks (2016) brauchen Studierende in Deutschland im Durchschnitt 819 Euro monatlich, um Miete, Lebensmittel, Versicherungen und Co. bestreiten zu können.

Davon geht das meiste für die Miete drauf, nämlich im Schnitt 323 Euro im Monat, das entspricht 39 % aller Kosten. Einen weiteren großen Anteil nehmen die Lebensmittel ein, sie machen mit 168 Euro monatlich 21 % aus. Der Rest der Kosten verteilt sich auf Kleidung, Lernmittel, Transport, Krankenversicherung sowie Kommunikationsmittel.

Bei diesen Durchschnittsangaben solltest du bedenken, dass das Studentenleben nicht überall gleich kostet. So ist die durchschnittliche Miete in Sachsen mit 259 Euro wesentlich günstiger als beispielsweise in Hessen mit 338 Euro. Außerdem gibt es einige deutsche Städte, die besonders teuer sind. Ganz oben stehen hier München (387 Euro), Köln (375 Euro), Frankfurt a.M. (375 Euro), Hamburg (373 Euro) oder Berlin (362 Euro). Deutlich günstiger bekommt du Wohnraum in Kiel (310 Euro), Bayreuth (303 Euro) sowie vielen ostdeutschen Städten, wie Magdeburg (289 Euro), Jena (265 Euro) oder Leipzig (264 Euro).

Einzelne Kosten, wie zum Beispiel der Anteil für die Mietausgaben, können sich natürlich stark ändern, je nachdem in welcher Stadt du wohnst. In München ist dieser Anteil entsprechend größer als zum Beispiel in Sachsen.

Wie kann ich mein Studium finanzieren?

In der 21. Sozialerhebung des Studentenwerks wurde außerdem herausgefunden, dass Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, rund 918 Euro monatlich zur Verfügung haben. Aber woher stammen diese Einnahmen? Nun, sie kommen aus verschiedenen Quellen.

Die Eltern als Geldquelle

Für viele sind die Eltern oder andere nahestehende Personen die erste Anlaufstelle, wenn es um die Finanzierung des Studiums geht. 86 % der Studierenden werden vom Elternhaus finanziell im Studium unterstützt.

Selbst wenn Vater und Mutter nicht viel verdienen, gibt es oftmals die Möglichkeit, sich auf eine Variante zu einigen. So könnte das Kindergeld überlassen werden (für alle unter 25 Jahren) oder es ist vielleicht ein Zuschuss zum Essensgeld drin. Und, auch wenn der Drang nach den eigenen vier Wänden noch so groß ist: Es kann eine große Erleichterung sein, für die Studienzeit noch bei den Eltern zu wohnen, schließlich ist die Miete der größten Posten, der zu finanzieren ist. An den Haushaltsarbeiten sollte man sich selbstverständlich beteiligen.

Darlehen von Papa und Mama

Weil viele junge Erwachsene unabhängig sein oder ihren Eltern nicht „auf der Tasche liegen“ möchten, hat sich noch eine andere, oftmals sinnvollere Variante durchgesetzt: Das familieninterne Darlehen. So kann man vereinbaren, die zur Verfügung gestellten Beträge ganz oder teilweise zurückzuzahlen oder später abzuarbeiten. Letzteres wird oft in Familienbetrieben praktiziert ‒ etwa in der Landwirtschaft nach einem Studium im Bereich Agraringenieurwesen. Anders als bei der Bank hat diese Form den Vorteil, dass das Darlehen in der Regel zinsfrei ist. 

Jobben

Studentenjobs gehören zum Hochschulalltag wie die Mensa oder das Semesterticket. 61 % aller Studierenden arbeiten neben dem Studium, meistens in 450 Euro-Jobs.

Der große Pluspunkt beim Nebenjob: Du kannst nicht nur selbst Geld verdienen, sondern sammelst jede Menge Lebens- und Berufserfahrung. Klar, wer kellnert, wird sicher seine Erfahrungen nicht direkt in das Ingenieurstudium einbauen können. Aber im Team arbeiten, Verantwortung übernehmen und andere Soft Skills werden auch hier geschult.

Tipp: Nach Jobs Ausschau halten, die Schnittmengen zu deinem Ingenieurstudium haben, zum Beispiel in der Produktion, in Tech-Unternehmen oder in der IT. Selbst, wenn du hier nicht direkt an der Herstellung, Entwicklung oder Programmierung mitwirkst, lernst du die Branche schon richtig gut kennen. Und: Aus einem Nebenjob kann auch mal eine Festanstellung nach dem Studium werden!

BAföG

Bis zu 735 Euro monatlich kannst du vom Staat bekommen – das ist der aktuelle Höchstsatz des Bundesausbildungsförderungsgesetztes, kurz: BAföG.

Die konkrete Höhe richtet sich vor allem nach dem Einkommen deiner Eltern. Je mehr deine Eltern verdienen, desto geringer wird die Förderung vom Staat. Außerdem kann eigenes Vermögen ins Gewicht fallen. Wenn du selbst mehr als 7.500 Euro Vermögen hast, wird dir was vom Förderbetrag abgezogen. Um herauszufinden, wie viel BAföG dir zusteht solltest du dich ausführlich auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung umsehen. Dort findest du auch Berechnungsbeispiele:

www.bafoeg.de

Das Tolle am BAföG: Es handelt sich zwar um ein Darlehen, dieses musst du jedoch nur zur Hälfte zurückzahlen. Bekommst du also 600 Euro im Monat ausgezahlt, musst du davon nach dem Studium nur 300 Euro zurückzahlen – der Rest ist geschenkt! Außerdem gibt es eine Höchstgrenze: Du wirst nicht mehr als 10.000 Euro zurückzahlen müssen! Selbst wenn du über die Jahre hinweg 24.000 Euro bekommen hast und folglich 12.000 Euro zurückzahlen müsstest, ist bei 10.000 Euro eine Grenze gezogen. Die Rückzahlung beginnt übrigens erst einige Jahre nach Studienabschluss. Du musst also keine Angst haben, dass nach dem Studium die dicke Rechnung kommt. Und solltest du tatsächlich schlecht bezahlt sein, arbeitssuchend oder allgemein in finanziellen Schwierigkeiten stecken, wird die Rückzahlung ausgesetzt. Aber das Risiko ist bei dir als Ingenieur sehr gering, denn Gehaltsaussichten sind vielversprechend.

Bildungs- und Studienkredite

Falls du kein BAföG bewilligt bekommst, bietet sich als Alternative evtl. ein Bildungs- oder Studienkredit an. Diese Darlehen sind von den Konditionen und Zahlungsmodalitäten her speziell auf Studierende zugeschnitten. Vergeben werden sie zum Teil von den normalen Banken, aber auch von z. B. der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder dem Deutschen Studentenwerk. Sie zeichnen sich durch besonders günstige Konditionen aus. Allerdings gibt es große Unterschiede! Als besonders empfehlenswert hat sich das Bildungskreditprogramm des Bundes erwiesen 

www.bva.bund.de

Eine gute Orientierung bietet der CHE-Studienkredittest 2017, der 43 verschiedene Studienkredite und Bildungsfonds vergleicht und dir damit jede Menge Arbeit erspart. 

www.che.de

Stipendien

Wie wäre es mit Geld- und Sachgeschenken, die du nicht zurückzahlen musst? Ein Traum, oder? Gibt es aber! Beim Wort „Stipendium“ denken alle immer sofort an die Förderung von Hochbegabten und Studierenden mit außergewöhnlichen Leistungen und Engagement. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ja, es gibt viele Stipendien, die sich an Studierende mit überdurchschnittlichen Leistungen richten, das sind aber nicht alle. Auch also Normalo kannst du was vom Stipendien-Kuchen abhaben.

Speziell im Ingenieurwesen sind die Chancen sehr gut: Viele Unternehmen, Institutionen und Verbände sowie Hochschulen fördern Studierende, um dem Nachwuchsmangel zu begegnen. Das Spektrum reicht von der Förderung einzelner Projekte (z. B. Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten) bis hin zur vollen Förderung des Studiums.

Einen guten Überblick über das Stipendienangebot bekommst du auf

Stipendienlotse.de

Außerdem stellen wir dir selbst einige Stipendien vor, die sich speziell an Studierende aus dem Ingenieurwesen richten. Diese findest du in unserem Artikel:

Stipendien für Ingenieur-Studierende

Alle hier genannten Daten stammen aus der 21. Sozialerhebung des Studierendenwerkes (2016).

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