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Ingenieurmangel in Deutschland – ja oder nein?

Seit einigen Jahren ist immer wieder zu vernehmen, dass es in Deutschland zu wenig versierte Fachkräfte bzw. einen Ingenieurmangel zu beklagen gibt. In den Medien wird dieses Thema oft kontrovers diskutiert. Dabei ist es nicht immer einfach die vielen verschiedenen Zahlen zu interpretieren.

Auf jeden Bewerber kommen etwa 4 freie Stellen

Die moderne Industriegesellschaft braucht qualifizierte Ingenieure so nötig, wie Luft zum Atmen erforderlich ist. Die Technik ist in ihrer Vielfalt und individuellen Konstruktion so komplex geworden, dass es eine Menge Experten bedarf, die wissen, was hinter den Dingen steckt. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden immer Ingenieure gesucht. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren ist seit langem konstant niedrig: Im Jahr 2010 gab es insgesamt 712.380 Ingenieure, von denen nur 3,7 Prozent arbeitslos gemeldet waren. Im Vergleich dazu betrug die Gesamtarbeitslosenquote in Deutschland zu dieser Zeit 6,6 Prozent. Im November 2011 sanken die Arbeitslosenzahlen unter Ingenieuren sogar auf einen neuen Tiefstand, schreibt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in seinem monatlichen Report über den Arbeitsmarkt. Trotz der globalen Entwicklungen und der EU-Schuldenkrise vermeldet die Bundesarbeitsagentur (BA) knapp 79.000 zu besetzende Stellen. Die Unternehmen sind eigentlich dazu verpflichtet, ihre freien Stellen bei der BA zu melden. Eine repräsentative Unternehmensumfrage im Jahr 2009 hat aber ergeben, dass nur etwa jede siebte Ingenieurstelle von den Betrieben an die BA weitergegeben wird. Die übrigen Stellen werden beispielsweise in Online-Stellenportalen, auf der Unternehmenswebseite oder in Zeitungen ausgeschrieben. Vor allem Maschinenbau- und Fahrzeugingenieure werden gesucht. Die nachfolgende Grafik zeigt sehr schön, mit welchem Vorsprung die Stellenanzeigen für Ingenieure den Jobmarkt dominieren:

Stellenanzeigen Ingenieure
(Quelle: Agentur für Arbeit Hamburg)

Demographische Entwicklung und hohe Studienabbrecherquote

Die demographische Entwicklung in Deutschland wird den Fachkräftemangel zusätzlich verstärken. Das Durchschnittsalter von Ingenieuren in Deutschland beträgt derzeit 46 Jahre. In den nächsten Jahren werden viele Ingenieure altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Bis zum Jahr 2020 entsteht allein dadurch ein Ersatzbedarf in Höhe von rund 470.000 Ingenieuren.

Besonders problematisch ist, dass überdurchschnittlich viele angehende Ingenieure ihr Studium nicht beenden. Im Durchschnitt brechen 20 Prozent der Unistudenten ihr Studium ab. Bei den Ingenieuren sind es sogar 25 Prozent. Maschinenbau- und Elektroingenieure geben ihr Studium besonders häufig auf. Bei ihnen liegt die Abbrecherquote bei etwa einem Drittel. Als Gründe werden von den Studenten sehr häufig die hohen Anforderungen in den Naturwissenschaften und in der Mathematik angegeben. Die Studienreform hat vor allem den Studieneinstieg anspruchsvoller gemacht. Es bleibt den Studenten weniger Zeit fehlendes Schulwissen aufzuholen. Die Hochschulen vermelden außerdem, dass inzwischen ca. 50 Prozent der Schüler eines Jahrgangs ein Studium aufnehmen und daher ein Aussiebungsprozess während des Grundstudiums erforderlich ist. Wer diesen Abschnitt erfolgreich abgeschlossen hat, beendet aber in der Regel sein Studium.

FAZIT

Wer sich für ein Ingenieurstudium entschließt, kann mit guten beruflichen Aussichten rechnen. Die Studienanforderungen sind allerdings sehr hoch und es ist empfehlenswert sich vor Aufnahme des Studiums umfassend zu informieren, ob man die entsprechenden Studienvoraussetzungen erfüllt. Dafür bieten die Hochschulen spezielle Einführungs- und Informationsveranstaltungen an.

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