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Bachelor und Master – Die „neuen“ Studiengänge

Diplom-Ingenieur/in ‒ für viele ist dies noch eine vertraute Berufsbezeichnung, die obendrein für hohe Qualifikationen steht. Seit einigen Jahren aber werden auch die Diplom-Studiengänge zunehmend auf Bachelor und Master umgestellt, so dass es immer weniger „Dipl.-Ing.“ gibt. Die Tätigkeiten bleiben indes dieselben, natürlich sind Ingenieurinnen und Ingenieure auch weiterhin angesehene Fachkräfte. Die passenden Studiengänge findest du in unserer Datenbank:

 

Doch was hat es mit der Reform der Studiengänge und dem Bologna-Prozess eigentlich auf sich? Was bedeuten die beiden verschiedenen Abschlüsse. Hier kommen die Antworten:

Einheitliche Studiengänge

Bachelor Master IngenieurViele Unternehmen sind auf internationaler Ebene aktiv, zeitweise im Ausland zu studieren oder zu arbeiten ist heute Standard. Damit wurde es auch erforderlich, einheitliche Studiengänge zu schaffen. Ein deutscher Hochschulabschluss muss mit einem französischen oder englischen Abschluss vergleichbar sein, um allen Bewerbern die gleichen Möglichkeiten zu bieten und die Einstellungskriterien zu vereinfachen. In Europa gab es deswegen die Bologna-Reform, benannt nach der gleichnamigen italienischen Stadt: Hier trafen sich im Jahr 1999 die Regierungsvertreter aus 29 europäischen Ländern um die Einführung der landesübergreifenden Abschlüsse in die Wege zu leiten. Mittlerweile sind 47 Staaten beteiligt und die Umstellung ist weitgehend abgeschlossen.

Noch mehr Infos zum Bologna-Prozesse gibt es z. B. auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Kürzere Studienzeiten

Die Bologna-Reform brachte auch eine Verkürzung der Studienzeiten und damit den schnelleren Einstieg in das Berufsleben. Zuvor waren in Deutschland Studienzeiten von 8, 10 oder 12 Semestern üblich, die oft noch um viele Semester überschritten wurden. Die Regelstudienzeit für die neuen Bachelorstudiengänge hingegen beträgt sechs Semester, ein Masterstudium nimmt meist vier Semester in Anspruch. Wer beides absolviert, landet zwar auch wieder bei zehn Semestern, doch durch die Zweistufigkeit ist es eben auch möglich, „nur“ den Bachelor zu machen bzw. nach diesem ersten Abschluss in das Berufsleben einzusteigen und später noch ein Masterstudium anzuhängen ‒ auch berufsbegleitend (weiterbildender Master).

Zwei verschiedene Abschlüsse

Die bisherigen Diplomstudiengänge unterteilten sich in das „Grundstudium“ und das „Aufbaustudium“. Wie der Name schon sagt, wurden in Ersterem die Grundlagen geschaffen, die schließlich während des anknüpfenden Aufbaustudiums vertieft wurden. Für einen Abschluss aber mussten beide Abschnitte bewältigt werden ‒ zwar gab es mit vollendetem Grundstudium das „Vordiplom“, doch dies stellte eben nur die Vorstufe zum endgültigen Abschluss dar. Die neuen Studiengänge hingegen sind so strukturiert, dass bereits der Bachelor als eigenständiger Abschluss gewertet wird. Dieses Studium beschränkt sich zwar auch eher auf die Vermittlung von Grundlagen (wobei viele Bachelor-Studiengänge bereits eine Vertiefung/Spezialisierung erlauben), es ist aber inhaltlich so angelegt, dass es zum Berufsstart in vielen Bereichen befähigt. Daher nennt man das Bachelor-Studium auch „berufsqualifizierendes Studium“. Wer sein Wissen erweitern oder sich z. B. für bestimmte Führungspositionen qualifizieren möchte, knüpft mit dem darauf aufbauenden Master-Studium an. Der Master-Abschluss ist auch Voraussetzung für eine Promotion und damit für Studierende von Bedeutung, die eine Karriere in der Forschung anstreben.

Mehr Flexibilität

Mit der Vielfalt der Bachelor-/Masterstudiengänge sind auch neue Kombinationsmöglichkeiten entstanden. Während man sich etwa mit einem Diplomstudium „Elektrotechnik“ weitgehend festlegte, ist es nun möglich, den Bachelor in Elektrotechnik zu machen und im Master z. B. „Informations- und Kommunikationstechnik“ oder „Ingenieurinformatik“ zu studieren. Viele Masterstudiengänge sind englischsprachig und damit international ausgerichtet, etwa „Electronic Systems“.

Genügt ein Bachelor-Abschluss?
Über diese Frage ist schon viel diskutiert worden. Als die neuen Studiengänge eingeführt wurden, galt der Bachelor eher als „nicht vollwertiger Abschluss“, vielleicht, weil er zu sehr mit dem vorherigen Grundstudium gleichgesetzt wurde. Ganz so ist es natürlich nicht, auch „nur“ mit einem Bachelor lässt sich einiges erreichen. Dennoch, es liegt auf der Hand, dass ein dreijähriges Studium nur begrenzt Raum für Vertiefungen bietet. Mit dem kompletten Bachelor-/Masterpaket ist man ganz klar höher qualifiziert, weshalb viele Personaler den Master-Titel erwarten. Dies hängt jedoch auch stark vom Tätigkeitsfeld ab.

Credits statt Scheine

Dem internationalen Kontext entsprechend, gibt es bei den neuen Studiengängen auch keine „Scheine“ mehr. So hießen in Deutschland die Zertifikate, die man nach jeder bestandenen Prüfung erhielt und für die Zulassung zur Abschlussarbeit vorlegen musste. Stattdessen wurde das European Credit Transfer System (ECTS) eingeführt: Wer eine bestimmte Anzahl an „Credit Points“ erreicht hat, kann sich für die abschließende Bachelor- oder Masterarbeit anmelden. Der Vorteil ist, dass das System internationale Qualitätsstandards und eine Übertragbarkeit der Leistungsnachweise sichert.

Fazit: Eine Sache der Einstellung

Das neue System hat seine Vor- und Nachteile. Die positiven Seiten wurde hier beschrieben, zu den negativen Aspekten gehört, dass die neuen Studiengänge als „straffer“ und „verschulter“ gelten. Während es zuvor eher möglich war, das Studium entspannt anzugehen, gibt es nun z. B. zunehmend eine Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen oder weniger Raum für andere Aktivitäten. Auch die Abschaffung des Diploms wird zwiespältig betrachtet. Doch die Qualität der Universitäten und Hochschulen sowie ihrer Dozenten dürfte sich kaum verändert haben. Am Ende ist entscheidend, was man aus seinem Studium macht.

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