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Erfahrungsbericht: Bachelor und Master Computational Engineering Science an der RWTH Aachen

Erfahrungen StudiumComputational Engineering Science – was ist das eigentlich? Dieser Studiengang klingt interessant und wir haben Andreas gefragt, ob er uns ein paar Fragen zu diesem Studium beantworten kann. Andreas hat nämlich den Bachelor schon erfolgreich abgeschlossen und studiert zurzeit den konsekutiven Master im gleichen Fach. Ein idealer Ansprechpartner also. Für uns hat er einen Einblick in sein Studium gegeben.

Hallo Andreas, vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Wie kamst du auf die Idee, ein Studium im Bereich IT/ Ingenieurwesen zu absolvieren?

Ursprünglich war mein Plan, als ich mich bei verschiedenen technischen Hochschulen nach meinem Abitur informiert habe, den klassischen Studiengang Maschinenbau zu wählen. Auf Grund meines technischen Interesses zusammen mit meinen Leistungskursen Mathematik und Physik hatte ich mich zunächst hierfür entschieden. Bei meinen Recherchen stieß ich bei der RWTH Aachen auf den relativ jungen Studiengang Computational Engineering Science (CES), den man in knappen Worten als interdisziplinäre Kombination des Maschinenbaus mit Mathematik und Informatik beschreiben kann. Da ich mich für alle drei Fächer in der Schulzeit interessiert hatte, war mein Interesse geweckt worden.

Die Auswahl an Studiengängen in diesem Bereich ist ja enorm groß. Warum hast du dich letztendlich für den Bachelor Computational Engineering Science an der RWTH Aachen entschieden?

Schon zu meiner Zeit war das Maschinenbauerstudium eine wahre Massenveranstaltung mit über 1.000 Studenten pro Jahrgang. Mich selbst habe ich nie bei den Bastlern und Schraubern gesehen, die einen großen Teil der Studenten ausmacht, sondern ich interessiere mich auch für die theoretischen Grundlagen in der Mathematik und Informatik. Diese spezielle Ausrichtung des CES-Studiums und die damit einhergehende Größe von weniger als 100 Studenten je Jahrgang haben mich zu dieser Entscheidung bewogen. Die RWTH Aachen ist eine der wenigen Universitäten in Deutschland, die einen solchen Studiengang direkt als Bachelor überhaupt anbietet.

Jetzt wollen wir aber mehr von dem Studiengang wissen. Noch können wir uns nämlich nur sehr wenig darunter vorstellen. Bitte sei so nett und gib uns einen Einblick in deinen Studienablauf. Was sind die Studieninhalte? Was lernt man eigentlich und welche Schwerpunkte kann man wählen oder setzen? Wird viel praktisch gearbeitet oder eher theoretisch gelernt?

Obwohl die Anzahl der Studenten sehr gering ist, sind die Möglichkeiten zahlreich. Für die Arbeit der meisten Ingenieure heutzutage ist der Computer unersetzlich. Die notwendigen Simulationen und Berechnung werden dabei immer aufwendiger und komplexer. Daher wird zusätzliches Wissen notwendig, zum einen über die zu Grunde liegenden mathematischen Modelle für die Umsetzung auf dem Rechner und zum anderen wie diese Rechnungen effektiv und effizient auf größeren Rechenclustern umgesetzt werden können. Diese Schnittstelle zwischen Ingenieuren, Mathematikern und Informatikern kann von CES-Absolventen besetzt.

Angeboten wird der Studiengang von der Fakultät für Maschinenwesen an der RWTH Aachen; die Fachbereiche für Mathematik und Informatik sind hierbei aber eng miteinbezogen. Im Vergleich zum klassischen Maschinenbaustudium werden in den ersten vier Semestern wesentlich mehr Grundlagen aus allen drei Bereichen gelehrt, teils als eigene Veranstaltung oder gemeinsam mit den jeweiligen Studiengängen. Diese umfassenderen theoretischen Grundlagen sind notwendig für die kommenden Anwendungsfächer in den Vertiefungsrichtungen und der Zusammenhang ist zu Beginn noch nicht unbedingt ersichtlich. Auf Grund dieses Studienplans werden auch keine Grund- oder Fachpraktika im Vorhinein verlangt.

Im dritten Jahr und im anschließenden Master-Studium kann man sich innerhalb der drei Fachbereiche jeweils in verschiedenen Gebieten vertiefen. Nur als Beispiele seien genannt: In der Mathematik für die Modellbildung oder Numerik, in der Informatik für Höchstleistungsrechnen oder effiziente Algorithmen, und im größten Feld dem Maschinenwesen für die Struktur- oder Strömungsmechanik, der Werkstoff- oder Verfahrenstechnik. Dies ist aber wirklich nur ein kleiner Ausschnitt.

Ich habe mich dabei für die Strömungsmechanik entschieden, einem sehr typischen Anwendungsbereich für CES. Dies umfasst zum Beispiel die Aerodynamik, also der Umströmung von Körpern. So habe ich mein jeweils dreimonatiges Praktikum und die Bachelorarbeit bei Siemens Mobility im Bereich Aerodynamik für Hochgeschwindigkeitszüge absolviert und schreibe nun meine Master-Arbeit im Forschungsbereich zukünftiger Raumfahrzeuge. Die Praxis kommt somit recht spät im Vergleich zum Maschinenbaustudium. Die Notwendigkeit hierfür wird einem in den höheren Semestern jedoch ersichtlich. Wie nah man an der praktischen Anwendung arbeiten möchte, bleibt einem selbst durch die Wahl der Vertiefungsfächer überlassen.

Welche Jobs und Branchen stehen einem eigentlich offen, wenn man solch ein Studium absolviert hat?

Besonders von Vorteil ist bei dem an der RWTH Aachen angebotenen CES-Studium, dass vom direkten Einstieg in die Industrie bis hin zur akademischen Forschungslaufbahn an der Universität nach dem erfolgreichen Studienabschluss alle Wege möglich sind. Auch durch den stark modularen Aufbau ab dem fünften Semester kann man sich sehr breit als Spezialist für die generelle Simulationstechnik aufstellen oder sich für einen der Fachbereiche im Besonderen entscheiden.

Einen CES-Absolventen wird man weitaus seltener als einen Maschinenbau-Absolventen in der Fertigung vorfinden, auf Grund des anders ausgerichteten Studieninhalts. Dafür werden wir in der vorherigen Entwicklung stark gesucht. Letztlich stehen einem in der Industrie alle Bereiche des Maschinenbaus offen und Firmen die eine eigene Entwicklung, Konstruktion oder sogar Forschung betreiben, werden immer Interesse an einem bekunden.

IT-Spezialisten werden ja, so liest man es zumindest oftmals, händeringend gesucht. Kannst du das bestätigen? Hat dein Studium beste Zukunfts- bzw. Karrierechancen?

Einige Absolventen entscheiden sich für eine Promotion und weiter für die akademische Laufbahn, bei denen Ingenieuren auch zahlreiche Stellen angeboten werden.

Die anderen werden händeringend von den verschiedensten Industriezweigen gesucht. Dabei ist nicht das Anwendungsgebiet ausschlaggebend, sondern wie ein Unternehmen aufgestellt ist, bei der Frage ob ein CES-Absolvent gesucht wird. Bei den meisten Bewerbungsgesprächen muss man zunächst erklären, was das CES-Studium beinhaltet und eigentlich ausmacht, da es erst wenige Absolventen unter den zahlreichen Ingenieuren gibt. Bei den meisten Firmen ist dann aber das Interesse geweckt und die Firmen lassen einen meist schon nach dem Praktikum nicht mehr aus dem Blick.

Eine letzte Frage: Für wen kannst du den Studiengang Computational Engineering Science empfehlen? Welche Eigenschaften und Interessen sollte man mitbringen, um das Studium erfolgreich zu durchlaufen?

Wer grundsätzlich Ingenieur werden möchte, sich aber auch für Mathematik und Informatik interessiert, ist geeignet für CES-Studium. Wer sich für die simulationsgestützte Entwicklung interessiert, für den sei das CES-Studium umso mehr empfohlen.

Das Ziel in der Ausbildung ist zwar meist die Anwendung, aber das Interesse an Mathematik und Informatik sollte vorhanden sein. Der Studienplan sieht wesentlich mehr Vorlesungen in diesen Bereichen vor und es werden tiefergehende Inhalte vermittelt, die der theoretischen Mathematik und Informatik entstammen. Dies führt dazu, dass einige im ersten Semester das Studienfach noch wechseln. Wer sich hiervon aber nicht abschrecken lässt, der wird auch bis zum Ende durchhalten. Man sollte also in den ersten beiden Jahren wacker durchhalten.

Dies wird einem aber auch von anderen Studenten in den höheren Semestern immer wieder mit auf den Weg gegeben. Unter den im Vergleich zur gesamten Fakultät nur wenigen CES-Studenten kennt man sich über alle Semester doch recht gut und man tauscht sich aus.

Lieber Andreas, vielen Dank für deine super Antworten rund um dein Studium. Wir wünschen dir viel Erfolg auf dem weiteren Karriereweg.

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