Erfahrungsbericht: Bachelor Bio- und Prozesstechnologie und Master Biomedical Engineering an der Hochschule Furtwangen

Erfahrungen StudiumMarion hat erst den Bachelor in Bio- und Prozesstechnologie und dann den Master in Biomedical Engineering an der Hochschule Furtwangen erfolgreich absolviert. Als Ingenieurin im Bereich Life Sciences und Medizintechnik steigt sie nun mit zahlreichen Praxiserfahrungen, die sie unter anderem mit Praktika während des Studiums sammelte, ins Berufsleben ein. Vorher hat sich Marion zum Glück noch Zeit für die Beantwortung unserer Fragen rund um ihr Studium gestellt und teilt ihre Erfahrungen mit uns.

Hallo Marion, vielen Dank, dass du dir die Zeit für einen Erfahrungsbericht zu deinem Studium nimmst. Wie kamst du eigentlich auf die Idee, ein Studium im Bereich Ingenieurwesen zu absolvieren? Und warum fiel die Wahl auf Bio- und Prozesstechnologie?

Die eigentliche Idee, Ingenieurin zu werden, hatte ich zu dem Zeitpunkt, als ich nach meiner Ausbildung zur Zahnarzthelferin bei einem medizinisch-technischen Unternehmen im Qualitätslabor gearbeitet hatte. Damals liefen viele Entwicklungsprojekte bei uns im Labor, so dass ich durch direkte Mitarbeit bei Entwicklungsprojekten „auf den Geschmack kam“, als zweiten Bildungsweg ein Ingenieurstudium zu absolvieren. Anschließende Recherchen ergaben eine gute Arbeitssituation auf dem deutschen Markt, so dass die Entscheidung schnell gefallen war, ein Studium des Ingenieurwesens anzugehen. Biologie interessierte mich schon während meiner Schul- und Ausbildungszeit. Zusätzlich las ich ein Buch über Biotechnologie, das die verschiedenen biotechnologischen Sparten sehr schön aufzeigte. Ich war fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten, die ein biotechnologisches Studium bietet, so dass für mich die Studienrichtung von Anfang an klar war.

Es gibt im Ingenieurwesen hunderte Studiengänge an dutzenden Hochschulen. Auch für Studiengänge wie Biotechnologie, Biomedical Engineering & Co ist die Auswahl an Unis und FHs immer noch groß. Wie bist du vorgegangen, um das passende Studium und die passende Hochschule für dich zu finden? Und warum hast du dich für die Hochschule Furtwangen entschieden?

Wie bereits gesagt, habe ich die Fachrichtung aufgrund persönlicher Neigungen zur Biologie ausgewählt. Reine Biologie war aber nie eine Option, da ich kein Universitätsstudium absolvieren wollte. Mir ist die praktische Nähe zur Industrie und das Studieren im kleineren Rahmen wichtig, so dass eine Universität nicht in Frage kam – die, unter Umständen, Semestergrößen von mehreren Hundert Studierenden haben.

Die Fachhochschulen hingegen halten die Semester kleiner. Professoren und Studierende kennen sich untereinander und der persönliche Kontakt zu den Lehrbeauftragten trägt zu einer besseren Lernatmosphäre bei. Es gibt eine Vielzahl von Fachhochschulen, die einen biotechnologischen Studiengang anbieten. Ich wollte mich in die Richtung der Industriellen Biotechnologie bewegen, so dass zunächst einmal nur die Hochschulen in Frage kamen, die eine ähnliche Fachrichtung den Studenten vermittelt. Zudem habe ich mich über die Rankings der einzelnen Hochschulen informiert. Dabei war die Hochschule Furtwangen immer auf den oberen Rängen zu finden, was meine Entscheidung, neben der „Prozesstechnologie“-Komponente im Studium, zusätzlich positiv beeinflusst hatte.

Biomedical Engineering ist ein Masterstudiengang an der Hochschule Furtwangen, der hauptsächlich die medizinisch-technische Fachrichtung ausbauen sollte. Um mein Wissenspektrum zu erweitern – und somit auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen – entschloss ich mich nach dem Bachelorstudiengang für dieses Aufbaustudium. Einige wenige biomedizinischen Komponente wurden zuvor in das Masterstudium integriert, damit es auch für die „Biotechnologen“ der FH als attraktives Aufbaustudium angesehen und letztendlich angenommen wird.

Bitte sei so nett und gib uns einen Einblick in deinen Studienablauf, denn Bio- und Prozesstechnologie bzw. Biomedical Engineering ist ja ein sehr spezialisierter Studiengang. Was sind die Studieninhalte im Bachelor und Master? Welche Schwerpunkte kann man wählen oder setzen? Wird viel praktisch gearbeitet oder eher theoretisch gelernt?

Bio- und Prozesstechnolgie ist ein Oberbegriff für den Studiengang, der in zwei Schwerpunkte eingeteilt werden kann. Der erste Schwerpunkt ist Biotechnologie, der zweite Schwerpunkt Verfahrenstechnik. Das Grundstudium des Bachelorstudiums besteht aus zwei Semestern, in denen die Grundlagen in Mathematik, Phsyik, Biologie, Chemie und Elektrotechnik vermittelt werden. Es dient dazu, dass sich alle Studierende eines Schwerpunkts nach den zwei Semestern auf dem gleichen Wissenslevel befinden. Zusätzlich werden erste praktische Erfahrungen im Labor vermittel (biologisch, chemisch, physikalisch und elektrotechnisch). Zudem ist im Grundstudium ein Wechsel von einem zum anderen Schwerpunkt problemlos möglich.

Anschließend erfolgt das Hauptstudium, in dem die biotechnologischen und ingenieurwissenschaftlichen Komponenten praktisch und theoretisch vermittelt werden (Semester 3 und 4). Zusätzlich wird die englische Sprache bis zu einem bestimmten Level über Pflicht-Sprachkurse ausgebaut. Zudem werden betriebswirtschaftliche- und rechtswissenschaftliche Grundlagen vermittelt. Das fünfte Semester ist ein reines Industriesemester, in dem den Studierenden ermöglicht wird, erste externe Erfahrungen im biotechnologischen Sektor zu machen. Nach diesem Semester können, je nach Wunsch des Schwerpunkts, die Erfahrungen des Praxissemesters anhand verschiedenster Wahlfachangeboten ausgebaut oder ein neuer Schwerpunkt damit gesetzt werden, wenn einem die praktische Erfahrung im jeweiligen Berufszweig doch nicht zusagte. Viele nutzen das Paxissemester auch dazu, um ein Auslandssemester zu absolvieren.

Im sechsten Semester werden nur noch wenige Pflichtveranstaltungen von der Hochschule gestellt. Hier können die Studierende ihre Interessen durch vielfältige Wahlpflichtangebote ausbauen (Pharmazie, industrielle Biotechnologie, Immunologie, Rhetorik, Projektmanagement usw.). Im Bachelorstudiengang wird mit Modulen gearbeitet. Ein Modul wird mit 6 Creditpoints bewertet. Die Wahlfächer haben für gewöhnlich 2 Creditpoints, so dass jedes Modul mit mindestens 3 Wahlfächern aufgefüllt werden sollte. Die Hochschule schreibt ein biotechnologisches Modul vor, in dem nur biotechnologische Fächer eingefügt werden dürfen, ein verfahrenstechnisches Modul, in dem Vorlesungen aus dem anderen Studienschwerpunkt gewählt werden müssen, so wie ein freies Modul, welches nach Belieben besetzt werden darf.

Im letzten Semester (Semester 7) steht die Bachelor-Thesis an, die mindestens 4, jedoch höchstens 6 Monate dauern darf. Dabei muss ein eigenes Projekt bearbeitet werden, das anschließend schriftlich zusammengefasst und präsentiert werden muss. Während der Abschlussarbeit stehen einem zwei Betreuer (1x hochschulintern, 1x extern) zur Verfügung, die im Anschluss auch die Arbeit bewerten. Zusätzlich wird als „Bachelor-Prüfung“ eine mündliche Prüfung durchgeführt, in der 20 – 30 min zuvor gestellte Themen aus dem Hauptstudium geprüft werden.

Der Masterstudiengang Biomedical Engineering ist ein sehr interdisziplinärer Studiengang. Er besteht aus drei Semestern (2x Theorie, 1x Master-Thesis). Wegen der Vielzahl an ausländischen Studieninteressen ist die offizielle Unterrichtssprache Englisch. Für jemanden wie mich, der kein Auslandssemester absolviert hatte, war dies zunächst eine große Herausforderung. Jedoch findet man sich schnell in der englischen Sprache zurecht und das Studium hilft ungemein, seine sprachlichen Fertigkeiten auch ohne Auslandsaufenthalt drastisch zu verbessern. Die beiden Theoriesemester bestehen aus hauptsächlich drei Komponenten. Die erste ist die ingenieurwissenschaftliche Komponente, in der Regelungstechnik, Modellbildung, Simulationstechnik und Programmieren gelehrt wird. Die zweite besteht aus der biomedizinischen Komponente, die den Schwerpunkt Biomedizin, Bioinformatik und bio-medizinische Statistik als Inhalte lehrt. Die dritte Komponente ist ein Modul über Managementkompetenzen, in dem Projektmanagement, wissenschaftliches Schreiben usw. gelehrt wird.

Im zweiten Semester muss zusätzlich parallel zu den Vorlesungen eine Forschungsarbeit angefertigt werden (verschiedene Projekte werden über die Hochschule dafür angeboten), die einen auf die bevorstehende Master-Thesis vorbereiten soll. Zusätzlich müssen auch hier Wahlplichtfächer, wie im Bachelorstudiengang belegt werden. Aufzufüllen sind zwei Module – ein freies Modul und ein Modul „Medizintechnik“. Das medizintechnische Modul kann mit Fächern aus dem Hauptstudium des Studiengangs Medical Engineering belegt werden.

Als Abschluss erfolgt die Master-Thesis, die mindestens 6, jedoch höchstens 9 Monate dauern darf. Auch diese wird von zwei Betreuern unterstützt und bewertet. Zusätzlich findet, wie auch im Bachelorstudiengang, eine 30-minütige mündliche Abschlussprüfung statt, die Themen aus dem Masterstudium prüft.

Welche Jobs stehen einem eigentlich offen, wenn man solch ein Studium absolviert hat, wie du es tust? In welchen Bereichen kann man arbeiten?

Die Jobaussichten sind vielfältig. Ob in der Pharma-, Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie, Krankheitsforschung (z.B. Krebsforschung), Umwelttechnik, Abwasseraufreinigung, Sterilisationstechnik – überall wird Biotechnologie angewandt und ist heutzutage bei vielen Prozessen nicht mehr weg zu denken. Sogar in der Automobilindustrie findet man den einen oder anderen biotechnologisch angehauchten Job, z.B. wenn es um die Keimbelastung der Klimaanlagen und Lüftungssystemen von Fahrzeugen oder um die Abgasaufreinigung geht. Die medizintechnische Komponente des Masterstudiums bringt zudem gute Chancen mit sich, einen Job in der Medizintechnik zu ergattern.

Was sagst du eigentlich zu den Gerüchten, die in den verschiedenen Foren zum Thema Ingenieurstudium kursieren? Ist das Studium so schwer, wie oft vermutet wird?

Wer behauptet, dass ein Studium einfach ist, der lügt oder ist von Natur aus ein Genie! Ein Studium ist meines Erachtens nie einfach. Wie heißt es so schön: “Ohne Fleiß, kein Preis!” ABER: Wer sich ein bisschen diszipliniert verhält und brav auf die Klausuren lernt, für den sollte ein Studium gut machbar sein. Man muss sich immer vor Augen halten, dass die Professoren auch nur Menschen sind und mit gewöhnlichem Wasser kochen.

Eine letzte Frage: Für wen ist ein Studium im Bereich Bio-Ingenieurwesen überhaupt geeignet? Wem würdest du zu diesem Studiengang raten?

Zu diesem Studiengang würde ich allen raten, die sich für biologische Prozesse interessieren, jedoch kein reines Biologie-Studium absolvieren möchten. Die Mischung aus Ingenieurwesen und Biologie bringt eine Vielfalt in das Studium, was, meines Erachtens, in anderen Ingenieurstudiengängen nur sehr schwer erreicht werden kann. In der Biotechnologie werden die praktischen Arbeiten als „Biologe“ oder „Laborant“ und die typischen Ingenieurstätigkeiten ideal miteinander verknüpft. Zudem bildet die ausführliche Lehre in Ingenieurwissenschaften einen guten Grundstein, um auch beruflich in fachfremden Industriesparten Fuß fassen zu können.

Liebe Marion, vielen Dank für deine super Antworten rund um Studium. Wir wünschen dir viel Erfolg auf dem weiteren Karriereweg.

Empfiehl uns weiter: